Der Tierzüchter Hans-Karl Strasdas ist gestorben

Der Lebenskreis des Tierzüchters Hans-Karl Strasdas aus Zarnekow bei Grimmen hat sich geschlossen. Am 22. Januar ist er im 86. Lebensjahr gestorben.

Sein ganzes Leben war geprägt von Pferde- und Rinderzucht. Die einst auf hohem Niveaustehende Pferdezucht in Voigtsdorf trug seine Handschrift. Nach 1990 war er maßgeblich an der Weichenstellung der Pferdezucht in Mecklenburg-Vorpommern beteiligt und 13 Jahre Vizepräsident des Verbandes der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern.

In Ostpreußen geboren, wuchs Hans-Karl Strasdas auf dem elterlichen Bauernhof auf. Nach der Vertreibung siedelte Familie Strasdas auf einem Bauernhof in Reinshagen, Kreis Bad Doberan. Dort nahm Hans-Karl 1949 eine Landwirtschaftslehre im benachbarten Gut Vorderbollhagen auf, wo zu der Zeit neben anderen Rassen auch Englische Vollblüter gezüchtet wurden. 1953 nahm der „Lange“ wie er aufgrund seiner Größe in Freundeskreisen genannt wurde, ein Fachschulstudium auf, dem 1956 ein Hochschulstudium folgte, das er 1959 als Diplom-Agronom abschloss. 1956 hat Hans-Karl Strasdas mit Freunden noch das letzte Vollblutrennen auf der Galopprennbahn Bad Doberan organisiert, bevor auf der ersten deutschen Galopprennbahn mehr als 30 Jahre keine Rennen mehr ausgetragen wurden.

1960 begann sein mehr als dreißigjähriges Wirken im Gut Voigtsdorf-Zarnekow, dessen Leiter für tierische Erzeugung er bis zu seinem Ausscheiden 1991 blieb. 1973 erwarb Hans-Karl Strasdas den Titel „Tierzuchtleiter“. Voigtsdorf war bis zum 2. Weltkrieg im Besitz der Familie Plate, die eine florierende Pferdezucht betrieb. Nach 1945 verstaatlicht, wurde die Pferdezucht auch auf dem Volkseigenen Gut fortgeführt. Pferdesport wurde in Voigtsdorf, in den Disziplinen Dressur, Fahren und Voltigieren ebenfalls auf hohem Niveau betrieben und von Hans-Karl unterstützt und gefördert.

Neben der Rinderzucht, die Strasdas zur Blüte führte, war er auch für die Pferdezucht verantwortlich und entwickelte den Stutenstamm der Familie Plate weiter. Weit über die Hälfte der nach 1945 aus Voigtsdorf-Zarnekow gekörten 184 Hengste, von denen Genius, Fenor, Diabas I, Diamon, Diskant, Distello, Dispatcher, Dispondeus, Doron bis Juon II wesentlichen Einfluss auf die Warmblutzuchten in der ehemaligen DDR nahmen, wurden unter seiner Leitung gezogen bzw. aufgezogen. Voigtsdorfer Stuten kamen regelmäßig prämiert von Eliteschauen an verschiedenen Orten der DDR zurück. Wegen seiner Fachkenntnis war Hans-Karl Strasdas in vielen Kör- und Bewertungskommissionen aktiv, so auch in der Kör- und Prämierungskommission der Zentralstelle für Pferdezucht in Berlin.

Seit Gründung des Verbandes der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern gehörte er bis 2002 als Vizepräsident dem Präsidium an. Sein Credo lautete immer, moderne züchterische Methoden erst nach gründlicher Prüfung und Abwägung anwenden. Für sein Lebenswerk wurde Hans-Karl Strasdas 1997 mit dem Tierzuchtpreis des Agrarministeriums ausgezeichnet. Der Zuchtverband ehrte ihn 2005 mit der Goldenen Verbandsnadel.

Zu den besonderen Eigenschaften von Hans-Karl Strasdas gehörte auch seine Begeisterungsfähigkeit bei feierlichen Anlässen. Bei Reiterbällen in Voigtsdorf gab es vielfach gesangliche Soloeinlagen. Zuletzt war es mit seiner körperlichen Gesundheit nicht mehr zum Besten steht, sein Geist jedoch war stets hellwach. Wenn es um Hengst- oder Stutenlinien aus früherer Zeit ging, machte ihm kaum jemand etwas vor. Mit wegweisend-kritischer Beobachtungsgabe, sachlicher Urteilsfähigkeit und wohlgemeinten Ratschlägen verfolgt er auch nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidium und den Bewertungskommissionen des Verbandes die Pferdezucht. Seine Ideen, die auf einem großen Erfahrungsschatz aufbauen, waren stets richtungsweisend.

Hans-Karl Strasdas hinterlässt eine Lücke in der Pferdezucht von Mecklenburg-Vorpommern. Unser aller Mitgefühl gilt seiner Frau Ingrid und seiner Familie. (Franz Wego)

 

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Hans-Karl Strasdas

Hans-Karl Strasdas, einer der ganz Großen in der Pferdezucht ist im 86. Lebensjahr gestorben. Foto: Jutta Wego