Rückepferde vor dem Pflug – Beim Wettbewerb der Bauernverbände erreicht Eugen Pierstorff den zweiten Platz

Hohen Luckow: Gleichmäßig, ruhig ziehen Ellexia und Ella den Pflugdurch den harten, trockenen Boden. So, wie auch ihr „Papa“ Eugen Pierstorff aus Hof Rühn ruhig die beiden zum Vorwärtsgehen auffordert. Noch ist das hier Probephase. Noch pflügen die Traktoren. Doch Eugen Pierstorff übt sich und seine vom Rheinisch-Deutschen Kaltbluthengst Egbert abstammenden Vollschwestern schon mal ein. Zwischendurch wird Pierstorff immer wieder angesprochen. Auf seine Pferde, auf das Pflügen an sich und auf alte Zeiten. Denn heute pflügt keiner mehr mit Pferden. Höchstens privat, wie er bei sich in Hof Rühn. Seine Kaltblüter wareneigentlich immer Rückepferde. Bäume aus dem Wald ziehen war früher ihr gemeinsamer Job. Aber auch das macht er schon seit 15 Jahren nicht mehr. Höchst selten wer-den heutzutage Pferde zum Holzrücken aus dem Wald gebraucht. Deshalb hat sich Pierstorff auf Kremser-Fahrten umgestellt. „Und ich fahre einmal im Jahr zum Kalt-blütertreffen nach Alt Schwerin, wo wir etwa das Heuwenden zeigen. Das nächste Treffen ist übrigens am2. Juni.“ Das zweite Kaltbluttreffen ist im November in Gören Lebbin. Ja, und dann haben seine Dicken noch Repräsentations-Aufgaben auf der Mela in Mühlengeez oder zur Stutenparade in Ganschow. Hier in Hohen Luckow zum 28.Pflügerwettbewerb der Bauernverbände Bad Doberan und Bützow macht Eugen Pierstorff nur so aus Spaß an der Freude mit. Zum ersten Mal. Aber so, als hätte er nie etwas anderes getan. Die sieben- und 14-jährigen Elli und Ella ebenso. Plötzlich wird es ernst. Hauptrichter Willi Ring aus Wismar holt sich alle Beteiligten zusammen und gibt ungeschminkt Anweisungen:„Zunächst einmal freue ich mich, dass sich noch welche gefunden haben, die sich mit Pferden das Pflügen zutrauen. Wer das richtig kann, hinter den sich die Traktoristen verstecken! So. Was ich hier von Euch erwarte: 1. Die Spaltfurche, nur einen Zusammenschlag, nicht zu tief, maximal zehn Zentimeter. 2. Es muss durchgeschnitten sein, sonst werde ich sauer! 3. Sie muss saubergeräumt sein. Die Sohle liegt parallel zur Oberfläche! 4. Gerade! Mein Auge zählt.     5. Der Zusammenschlag ist Gefühlssache. Geht nicht in die volle Tiefe! Vermeidet Erdstaus! 6. Die Grenze muss erreicht sein. Ich will ein ebenes, sauberes, fein krümeliges Flugbild sehen! Also, macht Euch ran!“Eigentlich sollte/wollte auch Robert Esch aus Neu Bernitt für den Bauernverband Bützow mit seinem Gespann dabei sein. Leider verletzte sich eines seiner Pferde beim Probe-pflügen und der Tierarzt musste nähen. Doch Robert Esch fuhr zwar die Pferde nach Hause, beschloss aber, Eugen Pierstorff in der schwierigen Anfangsphase der Eröffnungs-Furche und des so genannten Zusammenschlags zu helfen. Während Esch also den Pflug in die Erde drückt, lenkt Pierstorff in seiner ruhigen Art Elli und Ella gerade vorwärts. Die beiden stört es auch überhaupt nicht, dass die Pferde auf dem Nachbarstück hektisch vorwärtslaufen wollen. Gleich in der Anfangsphase wertet Willi Ring so: sauber, fast gerade, ein halber Punkt Abzug. Dann lenkt der Hof Rühner Pferdewirt sein Gespann mit dem Karreneinscharpflug allein. Noch einmalrichtig einstellen. 16 Zentimeterplus/minus zwei war die vorgegebene Tiefe. Alles sieht bestens aus. Ergebnis: Ella, Elli und Eugen Pierstorff belegen den zweiten Platz. (Kerstin Erz)

Foto (privat): Eugen Pierstorff beim Training mit Ella und Elexia