Ehrungen anlässlich der 28. Mecklenburger Hengsttage in Redefin

Der Verband der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern hat auch die diesjährige Körung wieder genutzt, um verdienstvolle Persönlichkeiten zu ehren.

Silberne Ehrennadel für Züchter Martin Jürgens

Mit der Ehrennadel des Verbandes in Silber wurde der Züchter Martin Jürgens ausgezeichnet. Der 59-Jährige aus Polzow gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Züchtern im. Den Slogan „Sport & Zucht Hand in Hand“ leben Martin und seine ganze Familie. Selbst einst aktiv im Sattel, gehört sein Bruder Olaf und Schwägerin Gesine Jürgens zur Creme des Springsports im Land. Martins Tochter Elisabeth ist ebenfalls Springreiterin. Deren Schwester Anna und Schwiegersohn Ulf Ebel sind mit Landesmeisterehren geschmückt und unter den Top-Reitern von Mecklenburg-Vorpommern zu finden. Die Besonderheit: Anna Ebel-Jürgens reitet Pferde die Vater Martin gezogen hat und auch Ulf Ebel bildet Springpferde seines Schwiegervaters aus.

In der Rangliste der erfolgreichsten Züchter nimmt Martin Jürgens eine führende Position ein. Mit dem inzwischen 17 Jahre alten Schimmel Levado, das Top-Pferd von Tochter Anna, nimmt Martin Jürgens immer noch den 7. Platz unter den MV-Züchtern ein. Dessen Halbschwester La Conga, wie Levado aus der Halbblutstute Parjella (v. Patrick xx) gezogen, wird international von Carsten-Otto Nagel geritten. Mit ihr liegt Martin Jürgens im Züchterranking von MV auf den 3. Platz. 15 Sportpferde aus der Zucht von Martin Jürgens, der auch Vorsitzender des Pferdezuchtvereins Uecker-Randow ist und jährlich ein großes Hallenturnier organisiert, sind aktuell in den Listen der FN als aktive Sportpferde eingetragen. Insgesamt sind 30 Pferde von ihm eingetragen. Seine erfolgreichste Stute ist die Parjella von der allein zehn Sportpferde eingetragen sind oder waren und sechs von ihnen haben Erfolge bis Klasse S. Eine selten gute Bilanz. Eines ihrer Nachkommen ist der neunjährige gekörte Diarado-Sohn Diarano der auf dem Hof von Familie Jürgens deckt und mit dem Anna Ebel-Jürgens 2017 Landesmeisterin bei den Damen wurde.

 

Chacco-Blue Züchter Karl-Heinz Köpp und sein Ausbilder André Plath geehrt

Eine Sonderehrung wurde auch dem Züchter Karl-Heinz Köpp aus Groß Stieten zuteil. Er bekam, ebenso wie André Plath (Insel Poel) und Josef Klaphake (Mühlen) in Vertretung für Paul Schockemöhle einen Präsentkorb als Züchter des Mecklenburger Hengstes Chacco-Blue. Der Mecklenburger Hengst ist 2017/18 im Ranking der World Breeding Association for Sporthorses (WBFSH) weltweit die Nummer 1 der Springpferde-Vererber. Seine Nachkommen haben inzwischen mehr als 4 Millionen Euro gewonnen. Bei der letzten Weltmeisterschaft in Tryon/USA hatte Chacco-Blue die meisten Nachkommen am Start. 1.200 Nachkommen waren bisher im Sport erfolgreich, davon über 350 in Klasse S. Mittlerweile sind 41 Hengste von ihm gekört und 676 Zuchtstuten eingetragen.

Dabei war es eher Zufall, dass Karl-Heinz Köpp die Stute Contara von Contender x Gosavari xx 1997 dem Holsteiner Hengst Chambertin zuführte, weil er dessen Besitzer Kai Gehrken gut kannte. Die Mutterlinie ist aus der Dorf Mecklenburger und der Zucht des Gutes Groß Stieten hervorgegangen. Die Familie von Karl-Heinz Köpp hatte gute Verbindungen zu André Plath, der Contara nach der Geburt von Chacco-Blue sehr erfolgreich bis zur schweren Klasse ritt und später auch Chacco-Blue selbst nach dessen Erwerb vom Züchter in den Sport brachte. Das Paar war bis zur Teilnahme an den Bundeschampionaten erfolgreich.

Dann wurde Paul Schockemöhle auf den Hengst aufmerksam, erwarb ihn und es war fortan sein Lieblingshengst. Chacco-Blue machte eine steile Karriere in der Zucht und unter verschiedenen Reitern mit Siegen bis zu Fünf-Sterne-Springen im Sport. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere starb Chacco-Blue 2012 an der Folgen einer Borreliose-Infektion. Der Zuchtverband bedankte sich bei Züchter Karl-Heinz Köpp für die Anpaarung, bei André Plath für die gute Ausbildung und bei Josef Klapphake in Vertretung von Paul Schockemöhlen für das Management des Hengstes, der der Mecklenburger Zucht einen großen Dienst erwiesen hat. Nicht auszudenken, was Chacco-Blue noch an Nachkommenschaft gebracht hätte, wäre sein Leben nicht so abrupt beendet worden.

 

Libuse Mencke zur Erringung des Goldenen Reitabzeichens gewürdigt

Einen Dank richtete der Zuchtverband auch an die Dressurreiterin Libuse Mencke vom Gestüt Ganschow. Sie hat zahlreiche Mecklenburger Pferde erfolgreich auf Turnieren vorgestellt und erhielt für 14 S-Siege jüngst das „Goldene Reitabzeichen“ überreicht. Die gebürtige Tschechin ist mit René Mencke verheiratet und eine großartige Dressurausbilderin, die in MV leider so rar sind. Zunächst bei Christian Flamm in Groß Nemerow reiterlich aktiv, reitet sie seit 2014 für das Gestüt Ganschow. Eine Vielzahl junger Pferde hat sie dort seit dem ausgebildet, die in kurzer Zeit auf den Reitpferde- und Dressurplätzen in Norddeutschland erfolgreich waren. Auf dem Pferdehof ihres Vaters groß geworden, ritt sie zu Beginn auf deutschen Turnieren (Seelitz, Frankfurt, Neubeeren) noch mit einem eigenen Hengst aus ihrer Heimat, der mit Dux von Direx noch einen in der DDR geborenen Vater hatte. Bei Christian Flamm ritt sie Pferde von der Zuchtgemeinschaft Budeus-Wiegert (Hotelbesitzer in Groß Nemerow) und war auf Anhieb erfolgreich. Dann lernte sie René Mencke kennen und lieben, und 2014, inzwischen 28 Jahre alt, erfolgte der Wechsel zum Gestüt Ganschow, wo es mit Sir Galanto den ersten Erfolg gab. 2015 stellte sich Nachwuchs ein und Anfang August saß Libuse bereits wieder im Sattel und gewann mit dem Hengst Dallas (v. Don Lyberty) wieder eine Dressurpferdeprüfung, mit dem sie im November 2014 auch vor der Unterbrechung durch ihre Schwangerschaft eine Dressurpferdeprüfung gewann.

Zuvor hatte sie schon sieben S-Dressuren mit Sir Galanto und Syrio gewonnen. Nach der Schwangerschaftszeit ging es in Zduchovize (Tschechien) und Münchehofe nahtlos mit S-Siegen weiter. Bis Ende 2016 standen bereits zehn S-Sieg auf ihrem Erfolgskonto, darunter sechs in der Zwei-Sterne-Klasse. 2017 kam Libuse Mencke zwar zu 67 Turniererfolgen, darunter befand sich aber kein weiterer S-Sieg. Die setzten erst in der abgelaufenen Saison 2018 wieder ein. Unter ihren vier S-Siegen in diesem Jahr, drei mit Syrio und einen mit Dallas, befanden sich die ersten drei ihrer Karriere auf Drei-Sterne-Niveau. Auch der Sieg mit Dallas in Kralovice war mit der Intermediaire B eine Drei-Sterne-Prüfung. Für das Gestüt Ganschow sind ihre Erfolge von unermesslichem Wert. (Franz Wego)