Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Schwark, eine herausragende Persönlichkeit der deutschen Tierzucht lebt nicht mehr

Am 05. August verstarb der insbesondere die Hippologie maßgeblich mitprägende Tierzuchtwissenschaftler und Hochschullehrer nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 91 Jahren.

Hans-Joachim Schwark gehörte zu den bedeutendsten deutschen Tierzuchtwissenschaftlern der Nachkriegszeit mit einer besonderen Passion und Leidenschaft für die Pferdezucht. Dies mag an seinen bäuerlichen ostpreußischen Wurzeln und seiner von Trakehner Pferden geprägten Heimat gelegen haben, die ihm im Ergebnis des 2. Weltkrieges genommen war. Auf der Basis einer soliden beruflichen Ausbildung von landwirtschaftlicher Lehre über Fach- und Hochschule, wissenschaftliche Assistenz und Promotion in Jena wechselte er 1957 in die pferdezüchterische Praxis nach Sachsen. Im Zuge seines Wirkens in der wissenschaftlichen Begleitung der ersten Schritte einer Haflingerzucht in Thüringen als damaliger Oberassistent an der Universität Jena und durch seine nachfolgende Tätigkeit, von 1957 an als Direktor des Staatlichen Hengstdepots im sächsischen Moritzburg bis 1962, gelang es ihm, die Haflingerzucht im Rahmen eines Forschungsprojektes sehr schnell im Erzgebirge anzusiedeln und so auch in Sachsen zu beheimaten. Darüber hinaus engagierte er sich schon in seiner

Amtszeit als Landstallmeister um die Förderung der Trakehnerzucht im Osten Deutschlands, der er hohe Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenbrachte. Dem im Tierzuchtgut Cavertitz gezogenen Landbeschäler Ralf (TA) von Markwart-Löwenherz-Plutokrat, mit dem der Chef selbst sehr gern ins Gelände ritt, galt seine besondere Zuneigung. Seine zielorientierte Amtsführung hat das Sächsische Landgestüt Moritzburg nachhaltig mitgeprägt.

Im Jahre 1962 setzte Dr. Hans-Joachim Schwark seine akademische Laufbahn als Professor mit Lehrauftrag für Tierzucht an der Hochschule in Bernburg fort. Wissenschaftliche Wirkungsstätten von Hans-Joachim Schwark waren die Hochschule für Landwirtschaft Bernburg und die Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Jena, wo er als Direktor des Institutes für Tierzucht und Milchwirtschaft fungierte. Mit der 1969 erfolgten Verlagerung der Landwirtschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena an die Universität Leipzig wechselte Professor Schwark 1970 dorthin als ordentlicher Professor für Tierzucht und als Leiter der Fachgruppe Rinder- und Pferdezucht. Im Jahre 1975 wur

de er an der Universität Leipzig zum Direktor der Sektion Tierproduktion und Veterinärmedizin berufen, die er bis 1990 zum Eintritt in seinen Ruhestand leitete. Parallel führte er in dieser Zeit den Wissenschaftsbereich für Rinder- und Pferdezucht in Böhlitz-Ehrenberg.

 

Mit seinem Wirken als Hochschullehrer für Tierzucht hat sich Professor Schwark sowohl in der Forschungstätigkeit und in der Lehre wie auch durch sein wegweisendes Agieren als Vorsitzender des Zuchtbeirates für Pferdezucht (von 1968 bis 1990) und darüber hinaus als ordentliches Mitglied der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR bleibende Verdienste um die Rinder- und Pferdezucht erworben. Anwendungsorientierte Themen mit praxisrelevanten Nutzeffekten lagen ihm besonders am Herzen. Entsprechend eng und vertraut w

ar auch das von ihm gepflegte Verhältnis zu unzähligen Praxispartnern und Landwirtschaftsbetrieben. Groß war die Zahl seiner über 400 wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen. Beispielhaft sei hier nur die Entwicklung komplexer Zuchtprogramme in der Rinder- und Pferdezucht auf Basis konsequenter Leistungsprüf- und Zuchtwertschätz-methoden genannt. Richtungsweisend waren auch publizierte Standardwerke wie das vierbändige Internationale Handbuch der Tierproduktion, der international aufgelegte Lehrbuchtitel: „Pferdezucht“ oder die bei vielen Züchtern noch in Gebrauch befindlichen Hengstbücher der Edlen Warmblutzucht und die Stutbücher der Trakehnerzucht der DDR. In der Schriftenreihe der DGFZ: „Tierzucht in der DDR und in den neuen Bundesländern“ ist unter seiner maßgeblichen Federführung eine hervorragende Zusammenfassung und ein Überblickswerk zur Entwicklung der Tierzucht dieser Periode entstanden. Über das in Forschungsberichten, Fachbüchern und wissenschaftlichen Publikationen dokumentierte Wissen hinaus zählen zu seinen Verdiensten vor allem die vielen ausgebildeten Studenten und Diplomanden sowie über 90 Doktoranden, die durch seine fordernde, fördernde und persönlichkeitsprägende Schule gegangen sind und später in leitenden Positionen die Entwicklung der Tierzucht maßgeblich mitgestaltet haben. Ein hoher wissenschaftlicher Anspruch und eine gelebte wie gepflegte Weltoffenheit waren die von Professor Schwark leidenschaftlich verteidigten Maxime bei der Durchführung der „Internationalen Leipziger Tierzuchtsymposien“, die neben ihrem wissensc

haftlichen Vortragsprogramm vor allem den persönlichen Austausch und die Begegnung mit Wissenschaftlern und Züchterkollegen aus westlichen Ländern und der ganzen Welt ermöglicht haben. Dafür wurden ihm große Dankbarkeit, Anerkennung und hohe Wertschätzung aus der gesamten Fachwelt zuteil. Diese hierbei vertrauensvoll entwickelten Beziehungen waren es auch, die mit der politischen Wende die Wege zu den westlichen Partnerzuchtverbänden ebnen halfen, um für Ostdeutschland den tierzüchterischen Anschluss an die neue Zeit schnell herzustellen. Diejenigen, die mit ihm zusammenarbeiten durften, schätzten seine Zielstrebigkeit, seine Weitsicht und sein sicheres Beurteilungsvermögen, welches er unter anderem auch auf unzähligen nationalen und internationalen Zuchtveranstaltungen als anerkannter Zuchtrichter und Berichterstatter unter Beweis stellte sowie seine außerordentliche rhetorische Gabe eines stets druckreifen und überzeugenden Vortrages.

 

Als Wissenschaftler, Hochschullehrer, international anerkannter Hippologe und Förderer der Pferdezucht wurden ihm viele gesellschaftliche Ehrungen und hohe Auszeichnungen zuteil.

Auch im heutigen Mecklenburg-Vorpommern war er - bedingt durch seine beruflichen Kontakte zur Rinderzucht im Gut Lewitz, Neustadt/Glewe - an der Entwicklung der Rasse Lewitzer maßgebend beteiligt.

Mit ihm verlieren wir einen international anerkannten Tierzuchtwissenschaftler, großen Horseman, Kollegen und Freund, eine hochgesch

ätzte Persönlichkeit, die Wertvolles und Bleibendes für die Tierzucht und für die Entwicklung von Pferdezucht und Pferdesport geleistet hat.

Seinen Familienangehörigen gilt unser aufrichtiges Mitgefühl. Wir werden ihm in unserem Verband ein ehrendes Gedenken bewahren.  

Im Namen des Vorstandes und aller Pferdezüchter, Pferdehalter und auch Pferdesportler unseres Bundeslandes  – Der Vorstand des Verbandes der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern e.V.